Interview mit Manfred Erdenberger

Ab 1975 bereicherte Manfred Erdenberger das deutsche Moderatorenteam bei Spiel ohne Grenzen. Bei den Menschen im Sendegebiet des WDR war er bereits durch zahlreiche Radio- aber auch Fernsehauftritte bekannt und beliebt. Sechs Jahre moderierte er die Spielshow in seiner humorvollen und charmanten Art und wahrscheinlich wären es auch noch ein paar Jahre mehr geworden, wenn der WDR sich nicht dazu entschlossen hätte, aus der internationalen Spielshow auszusteigen. Und so moderierte er am 20.09.1980 auch die letzte Ausgabe mit deutscher Beteiligung, das internationale Finale des Jahres aus dem belgischen Namur.

Und auch heute noch ist Manfred Erdenberger ein gefragter Mann und Gesprächspartner , weshalb ich ihm umso dankbarer dafür bin, daß er sich die Zeit genommen hat, mir einige Fragen zu seiner Zeit bei Spiel ohne Grenzen zu beantworten.  

Herr Erdenberger, Sie waren seit 1969 beim WDR und dabei sowohl im Radio als auch im Fernsehprogramm zu sehen und hören. Wie kamen Sie 1975 dann zu "Spiel ohne Grenzen"?

Wer kam auf Sie zu, oder gab es eine Ausschreibung dafür?

M.E.:  Die damalige Redakteurin Marita Theile kannte mich aus den damaligen Radiosendungen - also aus meinen Moderationen und aus meinen Reportagen, Berichten und Kommentaren- und fand offenbar,  das ließe sich von der Information durchaus auf das Fernsehformat der Unterhaltung übertragen. Eine Ausschreibung gab es für solche "Berufungen" nicht, was auch für eine Auswahl eher seltsam gewesen wäre.

 

Als die Anfrage kam, mussten Sie da lange überlegen oder sagten Sie gleich zu?

M.E.:  Das hat mich gereizt und gefreut und deshalb habe ich auch spontan zugesagt. Aber es gab einige im Haus, die der Ansicht waren, daß sich Information und Unterhaltung nicht miteinander vertragen würden und das Wechselspiel nicht akzeptieren wollten. Ich denke aber, mir ist der Gegenbeweis gelungen. Und ich freue mich noch heute, wenn ich auf diese Zeit angesprochen werde. 

 

Ihre erste internationale Sendung war am 20.05.1975 im belgischen Knokke-Heist, wo Sie zusammen mit Erhard Keller moderierten. Dabei gab es gleich ein Novum, das es auch in den späteren Jahren so nicht mehr gab. Und zwar nahm im Zwischenspiel einer der Moderatoren jedes Landes teil, wobei dieser zusammen mit zwei Teammitgliedern seines Landes 20 Luftballons, die am Autoscooter einer generischen Mannschaft befestigt waren, ebenfalls mit einem Autoscooter zerstören (Bilder davon gibt es in der Bildergalerie). Für Deutschland nahm Erhard Keller teil. Haben Sie das "Startrecht" damals ausgewürfelt oder wie wurde das festgelegt?

M.E.:  Jetzt rächt sich das "hohe Alter"- ich weiß es schlicht nicht mehr, aber ich bin sicher: Kellers Erfahrung schlug den Neuling.


Dass ein Moderator mitspielte war ja (leider) einmalig. Dadurch ergab sich bei dieser Sendung ja zwangsläufig ein Kontakt zum deutschen Team. Wie war das aber ansonsten? Gab es Kontakt zu den Teams? Vor und /oder nach den Spielen? Nahmen Sie beispielsweise an den Siegesfeiern teil?

M.E.:   Natürlich spielte und kämpfte man (bei aller Neutralität) gemeinsam, und man feierte auch (und dann in der großen internationalen Runde). Bei den nationalen Ausscheidungen war der Kontakt naturgemäß noch enger - und manchmal sah man sich ja auch später auf internationaler Bühne wieder.

Waren die Moderatoren eigentlich auch in die Entscheidungsfindung eingebunden, also z.B. ob ein Spiel wie geplant durchgeführt werden kann oder ob es verändert werden muss? Waren Sie bei den Produktionssitzungen dabei?

M.E.:   Klar waren wir dabei - aber Entscheidungen wurden endgültig vom Redaktions- und Produktionsteam getroffen und umgesetzt. Aber Rat und gelegentlich Tat waren natürlich gefragt. 

War das Gesamtteam, also Moderatoren, Schiedsrichter, Programmdirektoren und Regisseure denn wirklich so eine Art "Familie", wie es z.B. Guido Pancaldi ausdrückt?

M.E.:   Ja sicher, und zwar so, wie es auch in einer Familie üblich ist: zusammen, aber nicht immer einig.

Bis 1977 wurden die internationalen Ausgaben immer live gesendet. Ab 1978 nur noch als Aufzeichnung am Samstagnachmittag. Übrigens nur in Deutschland. Die Fans von SoG sind sich sicher, daß zu diesem Zeitpunkt schon der Entschluss feststand, daß Deutschland aus der Serie aussteigen werde. Denn durch die Verlegung sanken auch die Einschaltquoten, denn am Samsatg nachmittag war man entweder in einem Bundesligastadion oder im Schrebergarten. Und so wurden die sinkenden Einschaltquoten beim Ausstieg 1980 ja auch als Argument dafür hergenommen. Auch Ihr langjähriger Kommentatorenkollege, Karl Heinz Wocker, beklagte dies Maßnahme in seinem Artikel im "Zeitmagazin" von 1978 (nachzulesen unter Zeitungsartikel). Denken Sie, daß er damit richtig lag und teilen Sie seine Meinung?

M.E.:   J, da bin ich mir sicher, das war eine falsche Entscheidung - vor welchem Hintergrund sie auch immer getroffen wurde. Die Folgen der doppelten Verlegung (vom Abend auf den Nachmittag und von der Woche auf den Samstag) waren wirklich fatal für die Quote. Und die Sendung hatte ja nicht nur Freunde in der ARD. Trotzdem haben wir alle gern für unsere realtiv treue Fangemeinde weiter gesendet. 

Sie waren auch bei der letzten Sendung mit deutscher Beteiligung am 20.09.1980 im belgischen Namur dabei. Zu Beginn der Sendung, während die Gastgeberstadt im Film vorgestellt wurde, sagte Karl-Heinz Wocker den Zuschauern, daß das heute die letzte Sendung mit deutscher Beteiligung sei und daß sie sich deshalb im nächsten Jahr nicht wundern sollen, wo denn all die tanzenden Bären, die tapsigen Riesen und die lustigen Pferdchen seien. Er sagte aber auch, daß in den Tagen vor der Sendung die "Anteilnahme" und die Trauer der Kollegen aus den anderen Ländern über den deutschen Ausstieg sehr groß und aufrichtig gewesen sei. Wie äußerte sich das?

M.E.:   Es herrschte echtes Unverständnis über diese Entscheidung und Trauer. Schließlich hatte man sich ja im Lauf der Jahre sehr aneinander gewöhnt.     

Es gibt immer wieder Bestrebungen, Spiel ohne Grenzen wiederzubeleben. Glauben Sie, daß es eine Chance darauf gibt? Könnte sich diese Format heutzutage nochmals durchsetzen?

M.E.:   Nein, der Versuch wurde gemacht und ist gescheitert. Ich glaube auch, daß man so etwas (so ein Format) nicht 1:1 wiederholen kann. Aber wer noch einmal sehen will, wie unterhaltsam es 16 Jahre lang mit über 200 Spielen und mehr als 14.000 Mitwirkenden aus 759 europäischen Städten wirklich war, sollte sich die WDR-Sendung "Spaß ohne Punkte" von 1980 noch einmal besorgen und anschauen. Denn keine Frage: Es hat sich gelohnt.

Manfred Erdenberger, ich wünsche Ihnen alles Gute weiterhin und an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön für dieses Interview und auch noch einmal für Ihre sechs Jahre bei Spiel ohne Grenzen, in denen die Zuschauer immer gerne von Ihnen durch die Sendung geführt wurden.